Manche Ideen begleiten einen länger, als einem lieb ist. Nicht, weil sie schlecht wären. Sondern weil man sie nie so richtig „auf die Straße“ bekommt.
Task Lens ist so ein Fall. Die Grundidee trage ich seit ungefähr 15 Jahren mit mir herum. Es gab mehrere Anläufe, sie gemeinsam mit UI-Designern sowie Frontend- und Backend-Entwicklern umzusetzen. Gute Gespräche, erste Entwürfe, motivierte Starts.
Und trotzdem ist es jedes Mal wieder versandet.
Dafür gab es nie den einen Grund, eher eine Mischung:
- Zeit & Ressourcen: So ein Produkt entsteht nicht in einem Durchgang. Es braucht Schleifen, Tests, Anpassungen. Wenn jede Iteration ein neues Zeitfenster und ein neues Budget braucht, wird man vorsichtig – und irgendwann steht das Projekt still.
- Zu viele Entscheidungen, die schwer zu übertragen sind: Bei einer App wie dieser sind es unzählige kleine Entscheidungen: Was ist „schnell genug“? Was darf weg? Was muss bleiben? Wie fühlt sich die Bedienung an? Das lässt sich schwer auslagern.
- Die Idee war lange größer als das, was realistisch fertig wird: In frühen Konzepten war Task Lens auch als Plattform gedacht – spannend, aber ehrlich gesagt auch ein sicherer Weg, nie fertig zu werden.
Irgendwann war klar: So wird das nichts. Und wenn ich diese App wirklich einmal benutzen will, muss ich sie anders angehen.

Der Wendepunkt: LLMs und eine steile Lernkurve
In den letzten Jahren war ich in vielen Projekten die Person für Konzept, UX-Logik, Prozessdesign und die Frage: Was hilft wirklich – und was ist nur Tool-Theater?
Ich durfte auch ein Schadensabwicklungs-Portal entwickeln und betreuen, was mir extrem viel über saubere Prozesse, Dokumentation und reale Nutzung beigebracht hat.
Was ich aber nie gemacht habe: eine App komplett selbst bauen – bis in den App Store.
Mit dem Vormarsch von LLMs hat sich das plötzlich realistischer angefühlt. Nicht, weil damit alles „magisch“ passiert, sondern weil der Einstieg leichter wird: schneller verstehen, schneller ausprobieren, schneller drangeblieben.
Und weil es weder Zeit noch Ressourcen gab, das Projekt sinnvoll zu vergeben, blieb am Ende eine Entscheidung: selbst machen.
Das hieß:
Xcode verstehen lernen (oder zumindest so weit, dass ich nicht mehr jedes Mal kurz ans Auswandern denke), Git wirklich nutzen, Builds/Signing/Deployment durchstehen, App Store Connect ausreizen – und ziemlich viele freie Minuten in dieses Projekt stecken.
Am Ende stand etwas, das ich lange nicht für möglich gehalten hätte: Task Lens ist im App Store.
Und der erste Verkauf ist passiert – ohne Bewerbung. Die Zahl ist klein, aber der Moment ist groß. (Wer je ein Apple-Zertifikat erneuert hat, weiß: allein das ist schon ein Achievement.)

Worum es bei Task Lens geht
Im beruflichen Kontext funktionieren textbasierte Tickets wunderbar. Im echten Leben sind Aufgaben oft anders. Rund ums Haus, in der Wohnung oder im Büro sind viele Dinge nicht „Text“, sondern sichtbar:
- eine wackelige Steckdose
- eine Fuge, die erneuert gehört
- ein Riss an genau einer Stelle
- eine Ecke im Abstellraum, die man „später“ macht (Spoiler: später ist nie)
- „das da“, das man jeden Tag sieht und trotzdem wieder vergisst
Genau dafür ist Task Lens gedacht: als visuelles Gedächtnis.
Du siehst etwas → du fotografierst es → und wenn du Zeit hast, erledigst du es. Ohne dass du zuerst eine perfekte Beschreibung tippen musst.
Was du mit Task Lens konkret machst
1) Du hältst Dinge fest, bevor sie wieder aus dem Kopf sind
Du siehst etwas, zückst kurz das Handy, Foto – fertig. Ein Bild reicht meist, damit du später sofort weißt, was gemeint war und wo.
2) Du bringst Ordnung rein: nach Bereichen statt nach Zufall
Statt „irgendwo in Notizen“ liegt es dort, wo es hingehört: Haus, Garten, Garage, Büro – und darunter Räume oder Zonen. Du findest es wieder, ohne Detektivarbeit.
3) Du behältst den Überblick, auch wenn’s viele Kleinigkeiten sind
Offen, in Arbeit, erledigt: Du siehst auf einen Blick, was noch ansteht – und was du dir schon seit drei Wochen einredest, „eh bald“ zu machen.
4) Du setzt Deadlines, wenn etwas wirklich termingebunden ist
Für alles, was nicht „irgendwann“ sein soll, sondern „bis dann“. Optional mit Kalender-Anbindung in der Pro-Version.
5) Du machst Schluss mit „Meinst du DAS oder DAS?“
Wenn’s genauer sein muss, markierst du direkt im Foto, worum es geht. Keine Rätsel, keine Missverständnisse.
6) Du siehst Fortschritt – und das fühlt sich besser an, als man zugibt
Vorher/Nachher ist nicht nur Dokumentation, sondern auch Motivation. Plötzlich gibt’s Beweise. Für dich. Und falls nötig: auch für andere. 😉
7) Du hast offene Punkte im Blick, ohne die App zu öffnen
Über Widgets bleiben Aufgaben präsent – so wie ein Post-it, nur ohne dass es irgendwann am Kühlschrank „verschwindet“.

Preisfindung: Warum kein Abo
Ein Punkt hat mich länger beschäftigt als gedacht: die Preislogik.
Ich wollte keine Abo-Falle. Keine Kündigungs-Reminder. Kein „SaaS-Gefühl“ für etwas, das im Alltag einfach helfen soll. Du sollst die App kaufen und nutzen können – fertig.
Gleichzeitig ist klar: Auch ohne Abo gibt es laufende Arbeit (Updates, iOS-Änderungen, Bugs, Support). Deshalb ist es ein Modell mit zwei Ebenen geworden:
- eine kostenlose Version, die man wirklich verwenden kann
- und eine Pro-Version als Einmalkauf, die erweiterte Funktionen freischaltet (u.a. Kalender-Sync, Backup, Export, Foto-Tools).
Ob das langfristig die beste Lösung ist, wird die Praxis zeigen. Aber es ist die Lösung, bei der ich als Nutzer selbst am ehesten sagen würde: Ja, fair.
Was ich aus dem Projekt mitnehme
Der wichtigste Lernpunkt war nicht „mehr planen“, sondern: bauen, testen, vereinfachen.
Viele Entscheidungen sind erst beim echten Benutzen klar geworden – und vieles ist besser geworden, nachdem es wieder kleiner und einfacher wurde.
Task Lens ist damit nicht „fertig“ im Sinne von abgeschlossen, sondern fertig im besten Sinne: Es ist da, es funktioniert – und es kann jetzt wachsen. Schritt für Schritt. Ohne dass ich wieder 15 Jahre darüber nachdenke.



