In den letzten Jahren ist mir in der Messearbeit etwas immer klarer geworden:
Erfolg auf Messen ist heute weniger eine Frage von Fläche, Design oder Technik – sondern eine Frage von Orientierung, Klarheit und Verständnis für Wirkung.
Diese Erkenntnis ist nicht plötzlich entstanden. Sie ist das Ergebnis vieler Gespräche, Workshops und Beobachtungen über mehr als ein Jahrzehnt hinweg. Gespräche mit Ausstellern, die viel investieren und trotzdem unzufrieden sind. Gespräche mit Messeplätzen, die sich intensiv bemühen, ihre Aussteller zu unterstützen – und dennoch merken, dass klassische Informationsangebote oft ins Leere laufen.
Genau aus diesem Spannungsfeld heraus ist die Idee entstanden, Messekommunikation und Ausstellerentwicklung neu zu denken.

Der Messestand erzeugt Aufmerksamkeit, aber am Küchentisch entscheidet sich, ob daraus Relevanz, Beziehung und Geschäft entstehen.
Zuhören vor Konzept
Bevor überhaupt an ein konkretes Format zu denken war, war mir eines wichtig: zuhören.
Im Herbst habe ich mehrere Messeplätze in Österreich besucht, bewusst ohne fertige Lösung im Gepäck. Mich hat interessiert, wie Messeplätze selbst die Situation einschätzen, wo sie Herausforderungen sehen und wo sie an Grenzen stoßen, wenn es um Ausstellerkommunikation, Sensibilisierung und Qualitätssicherung geht.
Was dabei auffällig war:
Die Themen ähneln sich – unabhängig von Standort oder Größe. Aussteller sind fachlich stark, aber oft unsicher, wie sie ihre Messeziele klar formulieren sollen. Messeauftritte entstehen aus Gewohnheit oder Druck heraus, nicht aus Strategie. Nach der Messe fehlt häufig die Struktur, um Wirkung tatsächlich auszuwerten oder weiterzuführen.
Gleichzeitig spüren Messeplätze immer stärker, dass sie nicht mehr nur Infrastruktur-Anbieter sind. Sie werden zunehmend daran gemessen, wie erfolgreich ihre Aussteller sind – und wie professionell Messekommunikation insgesamt wahrgenommen wird.



Sensibilisierung statt Belehrung
Aus diesen Gesprächen wurde für mich eine Sache sehr deutlich:
Es braucht kein weiteres Regelwerk und keine zusätzlichen Checklisten. Was fehlt, ist Sensibilisierung. Ein gemeinsames Verständnis dafür, wie Messe heute funktioniert, wie Besucher entscheiden und welche Stellschrauben wirklich relevant sind.
Hier setzt STANDWERT an. Nicht als klassisches Schulungsprogramm, sondern als Methode, die komplexe Zusammenhänge sichtbar macht, Diskussion ermöglicht und Orientierung gibt. Es geht nicht darum, Ausstellern zu sagen, was sie tun sollen, sondern ihnen zu helfen zu verstehen, warum bestimmte Dinge wirken – oder eben nicht.
Genau diesen Gedanken habe ich gemeinsam mit Dr. Bernhard Erler, Obmann der Messen Austria, in mehreren Vorgesprächen vertieft. Daraus entstand schließlich die Einladung, diese Überlegungen im Rahmen der Generalversammlung der Messen Austria in Klagenfurt vorzustellen.

Lernen im gemeinsamen Tun

Ein zentraler Impuls kommt aus meiner langjährigen Arbeit in der Weiterbildung und Führungskräfteentwicklung – unter anderem bei Lions Österreich. Dort habe ich immer wieder erlebt, dass nachhaltige Strategien nicht im Frontalunterricht entstehen, sondern im gemeinsamen Arbeiten. Wenn Menschen gemeinsam an realen Fragestellungen arbeiten, wird Komplexität verständlich, Verantwortung greifbar und Orientierung möglich. Genau diese Logik lässt sich auf Aussteller und Messe übertragen: Messe ist ein komplexes System – und wird erst dann wirklich wirksam, wenn man sie gemeinsam sichtbar macht, ordnet und weiterentwickelt.
Ein Impuls – und viele Gedanken im Raum
Der 20-minütige Impuls bei der Generalversammlung war weniger Präsentation als Einladung zum gemeinsamen Denken. Es ging nicht um ein fertiges Produkt, sondern um einen Vorschlag:
Wie könnte ein österreichweites Sensibilisierungs- und Kompetenzformat für Aussteller aussehen, getragen von den Messeplätzen selbst?
Besonders wertvoll war für mich die anschließende Diskussion mit Vertreter:innen der Messeplätze aus Österreich und Südtirol. Die Fragen waren offen, konstruktiv und praxisnah. Man hat gemerkt, dass das Thema nicht neu ist – aber dass es bisher gefehlt hat, es gemeinsam und strukturiert anzugehen.

Warum ein gemeinsamer Ansatz sinnvoll ist
Ich bin überzeugt, dass Messekommunikation dann besser wird, wenn sie nicht isoliert betrachtet wird. Wenn Messeplätze Erfahrungen teilen, Formate gemeinsam entwickeln und Ausstellerentwicklung als Teil ihrer Qualitätsarbeit verstehen.
Ein österreichweites Sensibilisierungsformat hätte genau diesen Hebel:
Es würde Ausstellern Orientierung geben, Messeplätze entlasten und gleichzeitig ein klares Signal nach außen senden – nämlich, dass Qualität und Wirkung nicht dem Zufall überlassen werden.

Wie es weitergeht
In den kommenden Wochen werden vertiefende Einzelgespräche mit jenen Messeplätzen geführt, die Interesse signalisiert haben, das Format weiterzuentwickeln. Ziel ist es, STANDWERT gemeinsam zu schärfen und so auszurichten, dass erste Umsetzungen bereits im Frühjahr möglich werden.
Nicht als starres Programm, sondern als lebendiges Format, das sich an der Realität der Messeplätze und Aussteller orientiert.
Ein persönlicher Gedanke zum Schluss
Nach vielen Jahren in der MICE-Welt, in der Führungskräfte- und Bildungsarbeit bin ich überzeugt:
Nachhaltige Veränderung entsteht nicht durch Vorgaben, sondern durch Verständnis.
Wenn es gelingt, Messeplätze als Orte der Kompetenzvermittlung zu etablieren und Aussteller frühzeitig für Wirkung zu sensibilisieren, dann ist viel gewonnen – für alle Beteiligten.
Genau daran möchte ich weiterarbeiten.



